
[…] Vom Dorf aus, durch heitere Wiesen,
Gehst du weit hinunter, bis zur Ödnis,
Dorthin, wo abseits des Weges, durch feindliches Gesetz verbannt,
Der Friedhof den Juden gegeben wurde: ein kleiner, einsamer
Pfad führt dorthin, über sanft gewellten Boden:
Nicht leicht zu finden.
Friedvolle Einsamkeit, nahe dem Teich, der einst ein See,
Ort des Vergessens, begraben im Schoß von Mutter Natur,
Ohne Namen, ohne Form, dennoch inmitten süßer Ruhe
duftender, zarter, grüner Vegetation.
Ein Ruheacker, gegeben vom Hass, ist dort ideal.
Gesäumt von einem Mäuerchen, beinah inmitten der Wiesen:
drinnen und draußen die gleichen Gewächse, das gleiche Gras.
Nur die braunen Steine verweisen auf die ruhenden Toten:
Ein Ort des Friedens.
Eine innige, süße Melancholie erfüllt mich, den flüchtigen Lebenden,
Vor dem Grabe einer Ahnin stehend,
Alle Steine, schlicht und ebenmäßig in die Erde gestellt,
Ohne Bildnisse oder Dekor erinnern sie an die Lebenden von gestern,
Tragen Namen und Daten […].
Gedicht von Guido Ludovico Luzzatto, veröffentlicht in der „Rassegna Mensile di Israel“, 1931
Projekt von
Jüdische Gemeinde Triest und Universität Ca‘ Foscari Venedig
Für Informationen
visit@triestebraica.it
