Jüdischer Friedhof von San Daniele del Friuli

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Bis 1733/34 benutzte die jüdische Gemeinde von San Daniele del Friuli den Friedhof von Udine, in der Calle Agricola. Als der ihnen zugewiesene Platz nicht mehr ausreichte, bat Joel Luzzatto die lokalen Behörden im Namen der gesamten Gemeinschaft, einen eigenen Bestattungsort in San Daniele einrichten zu dürfen.  Daraufhin wurde der jüdischen Gemeinde zunächst nahe dem See von Ragogna ein weit abgelegenes Grundstück zur Miete überlassen, wo jedoch ausschließlich Juden aus San Daniele bestattet werden durften. In den Jahren 1751 – 1752 konnte dieses Friedhofsgelände schließlich von der jüdischen Gemeinschaft käuflich erworben werden, und seit dieser Zeit war auch die Bestattung aller Juden, unabhängig von ihrer Herkunft, hier erlaubt.  

Auf dem Friedhof befinden sich 76 Grabsteine, die, chronologisch von Nordwesten ausgehend, in 11 Reihen angeordnet sind. Der älteste Grabstein, datiert mit 19. März 1742, gehört Ester, der Frau von Baruch Luzzatto, und die neuesten Gräber tragen die Namen von Ing. Roberto Gentilli (2015) und Margery Kronengold, einer New Yorker Künstlerin, die sich in der Nähe von Ragogna niedergelassen hatte.
Weitere dort vertretene Familiennamen sind Caprileis, Gentilli, Sachs, Caravaglio, Lolli und Cignolini. Auch Juden aus Gonars und Spilimbergo wurden hier begraben.

In den 1980er Jahren wurden sämtliche Grabsteine dieses Friedhofs mit ihren Inschriften von Angelo Vivian katalogisiert und veröffentlicht.  

Der Friedhof erstreckt sich über eine Fläche von 1750 m² und ist von einer 2,5 m hohen Mauer umgeben. Er steht weiterhin in Verwendung und ist somit einer der wenigen jüdischen Friedhöfe, die in der Region Friaul-Julisch Venetien erhalten geblieben sind.

Hier befindet sich beispielsweise auch die Ruhestätte von Giuseppe Gentilli (1849-1911), der in San Daniele einen Kolonialwarenladen und eine Gaststätte betrieb, aber auch mit Getreide und Kälbern handelte. Die Gebrüder Gentilli hatten das Monopol für koscheres Fleisch inne und begründeten die Erzeugung von Gänseschinken in San Daniele. Giuseppe Gentilli war ein sehr tüchtiger und tatkräftiger Mann, der, auch als Stadtrat, von seinen Mitbürgern hochgeschätzt wurde.   

Auch Ettore Sachs (1865 – 1903) liegt hier begraben. Er war zwölf Jahre lang Gemeindearzt in Padua (wo er 1890 promoviert hatte) und später dann in Gonars. 1896 erhielt er die öffentlich ausgeschriebene Stelle als Gemeindearzt und Chirurg in San Daniele del Friuli, was bei einem Großteil der lokalen Bevölkerung und Behörden anfangs antisemitische Kontroversen auslöste. Durch seine Kompetenz und seinen Großmut konnte er jedoch rasch die Wertschätzung aller gewinnen, einschließlich jene von Giuseppe Vidoni, damals Primararzt im Krankenhaus von San Daniele. Sachs verstarb während eines Venedigaufenthaltes an Bauchtyphus, wurde jedoch im Beisein von Glaubensgenossen und katholischen Mitbürgern auf dem jüdischen Friedhof von San Daniele bestattet. Über sein persönliches Andenken hinaus hat sich im Volksmund ein ihm gewidmetes Sprichwort in friulanischer Sprache erhalten: „Diu in cîl, Sachs in tiere“ („Gott im Himmel, Sachs auf Erden“).

QUELLENANGABEN:

Texte von Dr. Isanna Bonoris und Dr. Gloria Pilastro.

P. C. Ioly Zorattini, M. Perani, A. Spagnuolo (Hrsg.), I cimiteri ebraici del Friuli. Cividale, Udine, San Daniele, San Vito al Tagliamento, Giuntina, Firenze 2018

Valerio Marchi, Il Dottor Sachs. Un medico ebreo in Friuli e la sua famiglia tra Otto e Novecento, KappaVu, Udine 2008.Angelo Vivian, Epigrafi ebraiche di San Daniele del Friuli. Saggio, in “Egitto e Vicino Oriente”, Vol. 8, 1985, S. 91–114.