Piazza Cattaneo

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Die ersten Belege einer jüdischen Präsenz in San Daniele sind aus dem 16. Jahrhundert dokumentiert, darunter ein Abkommen von 1547 zwischen den lokalen Behörden und dem jüdischen Geldverleiher Simon de Mantua, in dem Rechte, Pflichten und Verbote festgeschrieben waren.         
Im Vergleich zur Republik Venedig genossen die Juden in San Daniele größere Freiheiten: Sie hatten das Recht auf Wohnsitz und durften Handels- und Kreditgeschäfte tätigen. Auch ein Ghetto wurde niemals eingerichtet, obwohl ihre Häuser und Wohnstätten alle nahe beieinander lagen und insbesondere im Umkreis der heutigen Piazza Cattaneo angesiedelt waren.  

Trotz der durch das Vierte Laterankonzil im Jahre 1215 sowie die diskriminierenden Bullen des 16. Jahrhunderts auferlegten Verbote waren die beruflichen Tätigkeiten der Juden in San Daniele über lange Zeit nicht eingeschränkt und so konnten sie zur Entwicklung des Handels sowie zur Produktion von Seide, Getreide und anderen Gütern beitragen. Damals zählte die jüdische Gemeinde weniger als siebzig Personen.

Isacco, der Sohn des Bankiers Raffaele Luzzatto, war 1687 der erste Jude aus Friaul, der an der Universität Padua einen Abschluss in Medizin erlangte.
Das Bestehen einer Synagoge in San Daniele gilt seit dem 18. Jahrhundert als gesichert. Der Bau wurde in der Folge bis Anfang des 20. Jahrhunderts genutzt.  

Infolge der 1777 von der Republik Venedig erlassenen Ricondotta („Rückführung“) wurden Juden gezwungen, all jene Orte zu verlassen, in denen es kein Ghetto gab, was ja in San Daniele der Fall war. Viele fanden schließlich Zuflucht in benachbarten Städten wie Görz, Gradisca und Triest.

Nach ihrer Wiederansiedelung bestand die jüdische Gemeinschaft im 19. Jahrhundert hauptsächlich aus Mitgliedern und Nachkommen der Familie Gentilli, die Geschäfte und eine Gaststätte betrieben und mit Getreide, Tieren, Wein und Seidenraupen handelten. 1899 zählte man in San Daniele dreißig Juden.

Während des Ersten Weltkriegs wurde die Synagoge verwüstet.
1930 wurden mit dem Falco-Gesetz die jüdischen Gemeinden Udine und San Daniele der Gerichtsbarkeit der jüdischen Gemeinde von Görz unterstellt.

Am 16. Juni 1944 wurden neun Mitglieder der ursprünglich aus Fiume/Rijeka stammenden Familie Szörényi aus San Daniele deportiert. Als einzige überlebten die damals elfjährige Arianna und ihr etwas über zwanzigjähriger Bruder Dino. Zum Gedenken an die Familie wurden im Jahr 2023 in der Via Piave Nr. 64 Stolpersteine verlegt, denn in diese Straße war sie 1943 gezogen, in der Hoffnung, sich in Sicherheit zu bringen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erlosch die jüdische Gemeinde in San Daniele. Die sakralen Einrichtungsgegenstände der Synagoge wurden ins Museo di Arte Ebraica Italiana Umberto Nahon nach Jerusalem gebracht. 1969 wurde das Gebäude schließlich abgerissen.

Die ersten dokumentierten jüdischen Familiennamen in San Daniele waren Nantua (möglicherweise aus dem französischen Nantua kommend) und Luzzatto. Ab dem 17. Jahrhundert kamen Gentilli, Lolli, Caprileis, Sullam und Caravaglio hinzu.

In der Familie Luzzato gab es bedeutende Ärzte, Literaten und Rabbiner, wobei besonders Isacco, Nathan, Rabbiner Anselmo und die Brüder Efraim und Isacco, beide Ärzte, zu erwähnen sind.

Aus San Daniele stammte auch die Familie des berühmten Triestiner Hebraistik – Gelehrten Samuel David Luzzato (ShaDaL). 

QUELLENANGABEN:

Texte von Dr. Isanna Bonoris e Dr. Gloria Pilastro

Federico Luzzatto, Cronache storiche della Università degli ebrei di San Daniele del Friuli. Cenni sulla storia degli Ebrei del Friuli, “La Rassegna Mensile di Israel”, Rom 1964 

Valerio Marchi, Gli ebrei a San Daniele del Friuli, in P. C. Ioly Zorattini, M. Perani, A. Spagnuolo (Hrsg.), I cimiteri ebraici del Friuli. Cividale, Udine, San Daniele, San Vito al Tagliamento, Giuntina, Firenze 2018, S. 53-58

Lara Pironio, L‚insediamento ebraico di San Daniele del Friuli nel Settecento, in “La Rassegna Mensile di Israel“, 3. Serie, Vol. 65, Nr. 2 (Maggio – Agosto 1999), S. 31-80

Arianna Szörényi, Una bambina ad Auschwitz, (Hrsg.) Mario Bernardi, Mursia, Milano 2014