Militärfriedhof Stanjel

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Seit dem Mittelalter war es Juden untersagt, Waffen zu besitzen und üblicherweise wurden sie auch nicht in die Armee eingezogen. Als der Militärdienst unter Kaiser Joseph II. allmählich als Mittel zur Zivilisierung (und Assimilierung) aller Juden angesehen wurde, genehmigte man schließlich ab 1788-89, trotz einigen Widerstandes, die Rekrutierung von Juden in die kaiserliche Armee, und zwar zum Nachschub und zur Infanterie.

In den westlicheren Gebieten der Monarchie wurde diese Entwicklung insgesamt positiv aufgenommen, denn damit bot sich den Juden die Möglichkeit, im Kampf für das Heimatland mehr Anerkennung und Toleranz zu erfahren. In Wirklichkeit jedoch hielten sich die ihnen gegenüber gehegten Vorurteile hartnäckig, wurden sie nun doch einer „doppelten Loyalität“, nämlich den Habsburgern und dem Judentum gegenüber verdächtigt und somit als potenzielle Verräter betrachtet. In den tiefreligiösen Gemeinden der östlicheren Gebiete hingegen wurde die Wehrpflicht und die damit verbundene Trennung der jungen Männer von ihren Familien und Glaubensgenossen oft als Tragödie empfunden, denn man befürchtete, dass es dadurch leichter zu einem Glaubenswechsel und zum Zerfall der jüdischen Kultur kommen könne. Im Ersten Weltkrieg kämpften in der österreichisch-ungarischen Armee etwa 300.000 Juden, die meisten den Habsburgern treu ergeben, darunter auch eine stattliche Anzahl im Offiziersrang (mindestens 238). Sie verloren jedoch nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland ihre Anstellungen. 

In den italienisch geprägten Gebieten wie Triest und Görz gab es, besonders unter den jüngeren Juden, auch Irredentisten, obwohl sie insgesamt eine Minderheit darstellten. Von den österreichischen Behörden als suspekt angesehen, wurden viele von ihnen in Lager oder ins Exil geschickt, wie zum Beispiel die achtzigjährige Irredentistin Carolina Luzzatto Coen sowie die Familie von Marcello Morpurgo.

Der Soldatenfriedhof von Stanjel wurde zwischen 1915 und 1917 errichtet, so wie es auf den verbliebenen Monumenten steht, die einst das heute nicht mehr existierende Eingangstor säumten. Das ursprüngliche Projekt stammte vom Architekten Joseph Ulrich und wurde unter der Leitung des Architekten Max Fabiani vollendet.

Auf dem Friedhof wurden sowohl Soldaten der österreichisch-ungarischen als auch der russischen Armee beigesetzt. Der Standort des Friedhofes wurde wegen seiner Nähe sowohl zur Eisenbahn als auch zu einem Lazarett für russische Soldaten gewählt. Kriegsgefangene der Zarenarmee wurden gezwungen, am Bau des Friedhofs mitzuarbeiten.  

Außer Fotografien und Archivmaterial ist heute leider nichts mehr von diesem Erinnerungsort erhalten. Laut österreichischen Dokumenten wurden hier 993 Personen begraben, in italienischen Quellen wird die Zahl mit 1.315 angegeben.

Zu den wenigen noch erhaltenen Zeugnissen gehören zwei Grabsteine: für den jüdischer Soldaten Dezső Steiner, Unteroffizier des 46. Regiments, der am 19. August 1917 starb, und für Solomon Gershow Fomin aus Russland, der am 13. Mai 1918 verstarb. 

Im rückwärtigen Teil des Friedhofs steht heute noch eine klassizistische Gedächtniskapelle mit einem monumentalen Treppenaufgang. Auf dem Tympanon sind die Widmung für die Gefallenen, „FILIIS OPTIMIS PATRIA GRATA“, sowie die Wappen von Österreich und Ungarn mit dem Motto „Viribus Unitis“ eingraviert.

QUELLENANGABEN:

Rosanna Supino e Daniela Roccas (Hrsg.), L’apporto degli ebrei all’assistenza sanitaria sul fronte della Grande Guerra, Atti del Convegno Trieste, 8 maggio 2016, Silvio Zamorani Editore, Torino 2017

Erwin A. Schmidl, I soldati ebrei nell’esercito asburgico. 1788-1918, Leg, Gorizia 2008

https://itinerarieculture.blogspot.com/2020/04/ambiente-e-territori-stanjel-slovenia.html

https://www.visitstanjel.si/it/racconti-esclusivi/la-grande-guerra/