Friedhof von Rožna Dolina

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Schon seit dem 18. Jahrhundert lässt sich eine Begräbnisstätte der jüdischen Gemeinde in Görz im Bereich der heutigen Synagoge nachweisen. 

Der Friedhof von Valdirose oder Rožna Dolina wurde dann ab 1829 genutzt, als 16 Grabsteine vom alten Friedhof und aus anderen Orten dorthin verlegt wurden, darunter auch eine aus dem Jahr 1371 stammende Stele aus Marburg und andere aus Cormons und Triest. 

Ab 1947 befand sich der Friedhof auf jugoslawischem Staatsgebiet und konnte von den Görzer Juden nicht mehr benutzt werden. Sie wurden deshalb ab dieser Zeit in Gradisca bestattet. 

In Rožna Dolina gibt es über 900 Gräber und eine Kapelle, in der die Trauerfeiern stattfanden.

Auf den nach Jerusalem ausgerichteten Grabsteinen findet man anstelle von Blumen Steine, die von den noch Lebenden zum bleibenden Gedenken auf das Grab gelegt werden. Die ältesten, vertikal gestellten, typisch aschkenasischen Grabsteine tragen meist nur hebräische Inschriften, aber es gibt auch Grabsteine mit kürzeren Inschriften in anderen Sprachen wie Italienisch oder Deutsch. Die Symbole sind dieselben wie auch auf anderen Friedhöfen und reichen von Familienwappen bis zu einfachen Symbolen (Zeder, Krone, Akanthusblätter, Granatapfel, Laterne, Palmzweig). Insgesamt sind die Grabsteine sehr schlicht gehalten und es gibt keine monumentalen Grabmäler.

Der älteste noch lesbare Grabstein stammt aus dem Jahr 1653 und gehört Grassin Gentilli di Raffaele Haver. Es gibt auch sechs sehr alte Inschriften, die in die Zeit zwischen 1406 und 1652 datiert werden können, weiters Grabsteine, die an gefallene Soldaten des Ersten Weltkriegs erinnern, und andere zum Gedenken an Menschen, die in den nationalsozialistischen Lagern ermordet wurden.

Hier ruhen u.a. die von ihren Mitbürgern geschätzten Ärzte Silvio Morpurgo und Vittorio Pavia, die Hilfsbedürftigen auch kostenlose Behandlungen zuteilwerden ließen. Sie starben kurz nach der Verkündung der Rassengesetze im Jahr 1938, die ihnen die Ausübung ihres geliebten Berufs untersagten. Elda Morpurgo, geborene Michelstaedter, die Schwester des Philosophen und Ehefrau des Arztes Silvio Morpurgo, wurde am 23. November 1943 aus Görz deportiert. Ihr Gedenkstein befindet sich neben dem ihres Mannes. 

Weitere hier bestattete Persönlichkeiten: Oscar Morpurgo (im 19. Jahrhundert Chefarzt der öffentlichen Krankenhäuser, der als Förderer der Gemeinde die Außenmauer des Friedhofs finanzierte), die Journalistin Carolina Coen Luzzatto, die Familie Michelstaedter, die Rabbiner Isacco Samuele Reggio, Abramo Vita Reggio und Giacomo Bolaffio. Von Bedeutung ist auch der Kaufmann Benedetto Morpurgo, der vehement gegen die vom katholischen Klerus propagierten Ritualmord- Legenden Stellung bezog.

Carlo Michelstaedter und Ada Coen Luzzatto (Tochter der Journalistin Carolina) bekamen anstatt eines Grabsteins nur eine kleine Gedenksäule, da sie Suizid begangen hatten.

Auf dem Friedhof Valdirose sind auch drei Mitglieder der k.u.k. Armee begraben, nämlich Leutnant Chaim Huppert und die Ärzte Eduard Auersach und Fritz Hochwald. Das Grab des Soldaten Franz Artner wurde 1929 vom Militärfriedhof in Chiapovano hierher verlegt.

QUELLENANGABEN:

Agostino Colla e Maria Elisabetta Loricchio (Hrsg.), Beth Ha Chajim: la Casa dei Viventi. Valdirose. Il cimitero della Comunità ebraica di Gorizia, Edizioni della Laguna, 2004

Marcello Morpurgo, Valdirose. Memorie della Comunità ebraica di Gorizia, Del Bianco, Udine 1986

D. Ogrin, Il cimitero ebraico di Nova Gorica importante monumento di cultura funeraria, in “Srecanja”, XXV (1972)

Angelo Vivian, Il cimitero israelitico di Nova Gorica, in Ioly Zorattini Pier Cesare (Hrsg.), Gli ebrei a Gorizia e a Trieste tra „ancien régime“ ed emancipazione, Del Bianco, Udine 1984, S. 91-97