Jüdischer Friedhof

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Der heutige jüdische Friedhof wurde Ende des 18. und Anfang des 19. Jhd. infolge der Josephinischen und Napoleonischen Gesetze angelegt, wonach Bestattungen nur außerhalb des Wohngebietes erlaubt waren. Von einem anderen Ort, an dem Juden aus Gradisca in früheren Zeiten bestattet wurden, sind keine Spuren mehr erhalten. Der älteste Grabstein (Matzevah) stammt aus dem Jahr 1805 und ist Malka (Regina), der Witwe von Menachem Morpurgo, gewidmet; sie wurde erst außerhalb der Stadtmauern bestattet und etwa zehn Jahre später in den Jüdischen Friedhof überführt.

Die Gesamtfläche des Friedhofs, der 89 Gräber umfasst, beträgt etwa 2000 m². Bis 1851 waren die Grabinschriften nur auf Hebräisch verfasst, danach wurden auch italienische, deutsche oder zweisprachige Inschriften angebracht. Nur eine einzige Grabinschrift ist auf Hebräisch und Latein erhalten; sie ist dem 1855 verstorbenen Isacco di Samuele Luzzatto gewidmet.

Leider kann man heute viele Grabsteine nicht mehr entziffern, aber in der Regel wurden kurze Gedichte, Bibelzitate und Lobreden auf die Verstorbenen eingemeißelt. Die Gräber sind schlicht und einfach, ohne üppige Dekorationen; es gibt auch keine Blumen, sondern Steine und den Friedenswunsch „Shalom“ oder die Abkürzung תנצבה (T.N.TZ.B.HA), was „Möge seine/ihre Seele im Bündel des Lebens eingebunden sein“ bedeutet.

Die häufigsten Namen sind diejenigen der alten jüdischen Familien von Gradisca: der Morpurgo, deren Familienwappen Jonas im Maul des Wales zeigt; der Prister (oder Cohen), erkennbar an dem Wappen mit den segnenden Händen; und der Luzzatto/Luzzatti, deren Wappen ein Hahn mit einer goldenen Ähre im Schnabel ziert, der von drei Sternen und einem Halbmond überragt wird.

Weitere Familiennamen lauten auf Feigenbaum, Berger, Vitali, Pardo, Levi, Schiff, Basevi. Die meisten Nachnamen sind aschkenasischer Herkunft und sind auf vertikal gestellten Grabsteinen zu finden. Es wurden hier jedoch auch Personen beigesetzt, die nicht der örtlichen Gemeinde angehörten, wie die Familien Reiss, Sheielà, Farber, Traubner, Auerbach, Steinmann, Freund, Rotstein, Brandt, Sterri, Valobra, Bolaffio, Papouchado und Dov Achituv.

Da mit der Zeit viele Familien in andere Städte abwanderten, wurde der Friedhof bereits in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg immer seltener genutzt, und zwischen 1931 und den 1950er Jahren wurde hier niemand mehr beigesetzt. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof dann von der Gemeinde Görz genutzt, da der Friedhof von Valdirose/Rozna Dolina, der nun unter jugoslawischer Verwaltung stand, nicht mehr zugänglich war.

QUELLEN:  

Maddalena Del Bianco, Pier Cesare Ioly Zorattini, Mauro Perani, Antonio Spagnuolo (Hrsg.), Il cimitero ebraico di Gradisca d’Isonzo, Giuntina, Sesto Fiorentino 2020  

Maddalena Del Bianco Cotrozzi, La Comunità ebraica di Gradisca d’Isonzo, Udine, Del Bianco 1983  Angelo Vivian, Il cimitero ebraico di Gradisca d’Isonzo, in „Egitto e Vicino Oriente“, Vol. 9 (1986), S. 151-155.