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Vereinzelte jüdische Siedlungsspuren sind auf der heutigen Piazza Cavour (vormals Piazza Inferiore) in Görz bereits ab dem 14. Jahrhundert nachzuweisen, die ersten dauerhaften Ansiedlungen entstanden jedoch erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts in der Contrada Cocevia, nachdem die aus der Toskana stammenden christlichen Bankiers, die übermäßig hohe Zinsen verlangten, aus der Stadt vertrieben worden waren.
Als die Grafschaft Görz und Gradisca im Jahre 1509 an das Haus Habsburg überging, gestand Kaiser Maximilian I. den Görzer Juden eine Reihe von Rechten zu, wie beispielsweise das Recht auf Wohnsitz und das Recht, dank spezieller Vertragsbedingungen (condotta), in diesen Gebieten ihrem Gewerbe nachzugehen. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde auch die Einrichtung von Pfandleihhäusern genehmigt. Dank weiterer kaiserlicher Privilegien wuchs die jüdische Gemeinde im 17. Jahrhundert immer mehr an, und so mancher erhielt das Recht auf Immobilienbesitz und einige wurden, wie Giuseppe Pincherle im Jahr 1624, zu Hofjuden ernannt.
Wie in Triest ließ Kaiser Leopold I. auch in Görz im Jahr 1698 ein Ghetto einrichten, das ursprünglich in der Contrada Cocevia vorgesehen war, und schließlich im Viertel San Giovanni (um die heutige Via Ascoli) entstand und von der Kirche San Giovanni und dem kleinen Flüsschen Corno nahe dem Pestfriedhof begrenzt war. Das Ghetto war durch zwei Tore abgeschlossen und bestand aus sechzehn Häusern, die an die Görzer Juden verkauft oder vermietet wurden. Alle Fenster, die nach außen gingen, wurden zugemauert. Die religiösen Feiern fanden in einem Gebetsraum statt, der 1699 eingeweiht wurde.
Im Vergleich zu Triest unterlag die jüdische Gemeinde in Görz strengeren Einschränkungen, auch wenn diese nicht immer strikt eingehalten wurden. So mussten ihre Mitglieder ein Judenzeichen tragen und Steuern zahlen, wenn Sie Wertsachen tragen oder auch christliches Dienstpersonal einstellen wollten. Außerdem durften sie außerhalb des Ghettos keine Güter erwerben, mussten ihre Geschäfte an katholischen Feiertagen geschlossen halten und durften das Ghetto während dieser Tage nicht verlassen. Während der Fastenzeit waren sie verpflichtet, mindestens zweimal an katholischen Kirchenfeiern teilzunehmen.
Die Görzer Juden übten unterschiedliche Berufe aus: Sie waren Seidenspinner, Pfandleiher, verkauften Altkleider und gebrauchten Kleinkram als Trödler oder führten Handelshäuser, wie vor allem die Familie Morpurgo.
Im Jahr 1775 wurde im Ghetto für Kinder von sechs bis dreizehn Jahren eine staatliche jüdische Schule eingerichtet, die den Unterricht an Samstagen aussetzen durfte. Bereits in den 1890er Jahren gab es in der jüdischen Gemeinde von Görz keine Analphabeten über sechs Jahren mehr. Die Schule wurde jedoch im Laufe des 19. Jahrhundert aufgrund von Schülermangel geschlossen.
Im Jahr 1777 zwang die Ricondotta („Rückführung“) der Republik Venedig viele Juden, ihre Heimatorte, die der Kontrolle Venedigs unterstanden, zu verlassen, wenn es dort kein Ghetto gab. Einige Familien aus Venedig und dem venezianischen Friaul ließen sich daraufhin in Görz, Gradisca und Triest nieder.
1940 wurde die Via Ascoli in „Via Tunisi“ umbenannt, bevor sie 1951 ihren ursprünglichen Namen zurückerhielt.
QUELLENANGABEN:
Orietta Altieri, La comunità ebraica di Gorizia: caratteristiche demografiche, economiche e sociali (1778-1900), Del Bianco, Udine 1985
Giuseppe Bolaffio, Sfogliando l’archivio della Comunità di Gorizia, in “La Rassegna Mensile Di Israel”, Vol. 23, Nr. 12, 1957
Chiara Lesizza Budin, Vita e cultura ebraica nella Gorizia del Settecento, Edizioni della Laguna, Mariano del Friuli 1995
Adonella Cedarmas, La Comunità israelitica di Gorizia. 1900-1945, Istituto Friulano per la Storia del Movimento di Liberazione, Udine 1999
Miriam Davide e Pietro Ioly Zorattini (Hrsg.), Gli ebrei nella storia del Friuli Venezia Giulia. Una vicenda di lunga durata, Giuntina, Firenze 2016
Marcello Morpurgo, Valdirose. Memorie della Comunità ebraica di Gorizia, Del Bianco, Udine 1986
Projekt von
Jüdische Gemeinde Triest und Universität Ca‘ Foscari Venedig
Für Informationen
visit@triestebraica.it
