Carolina Luzzatto

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Carolina Sabbadini Coen Luzzatto wurde am 26. November 1837 in Triest geboren. Als Tochter von Isach Sabbadini und Stellina Estella Norsa wuchs sie in einer tiefreligiösen sephardischen Familie auf, die dem jüdischen Kleinbürgertum angehörte. Ihr Großvater mütterlicherseits, Isaia, erteilte ihr Französischunterricht und spornte sie dazu an, sich der Literatur und dem Schreiben von Gedichten zu widmen. Großen Einfluss auf ihre Ausbildung übte auch der Rabbiner, Orientalist und italienische Patriot Marco Tedeschi aus, der zur Ausarbeitung des Albertinischen Statuts, der Verfassung des Königreichs Sardinien, von 1848 beigetragen hatte.

Im Jahr 1856 heiratete Carolina Sabbadini den Kaufmann Girolamo Coen Luzzatto und zog mit ihm nach Görz. Dort arbeitete sie mit lokalen Zeitungen und Zeitschriften zusammen, u.a. mit «Patria del Friuli», «Pagine friulane», «Il Piccolo», «La Giovane Trieste», «Il Progresso», «Il Corriere friulano» und «La Penna». Sie selbst leitete die Zeitschriften «L’Isonzo», «L’Imparziale», «Il Raccoglitore» und den «Corriere di Gorizia» und war damit die erste Frau, die auf der italienischen Halbinsel derartige Spitzenpositionen im Journalismus besetzte. Sie beschäftigte sich mit sozialen Themen wie Bildung, Pflichtschulunterricht und mit der Emanzipation der Frau, aber auch mit politischen Fragen. In ihren irredentistischen Artikeln schlug sie stark antiösterreichische, antiklerikale und im Laufe der Jahre auch antislawische und rassistischen Töne an. Die slowenische Presse in Görz reagierte darauf mit antijüdischen Stereotypen, frauenfeindlichen Aussagen und persönlichen Angriffen (wie der Anschuldigung, sie selbst habe ihre Tochter im Jahr 1895 in den Selbstmord getrieben).

Neben ihrer Tätigkeit als Journalistin war sie auch als Übersetzerin aus dem Deutschen und Französischen tätig und kümmerte sich um die Erziehung von Kindern des jüdischen Bürgertums in Görz, für die sie Unterrichtstexte mit religiösen und pro-italienischen Inhalten verfasste. Im Jahr 1868 beteiligte sie sich an der Gründung der philanthropischen Vereinigung „Società delle Signore a Sollievo dei Poveri“ („Damengesellschaft zur Unterstützung der Armen“). 

Im mehrsprachigen Görz kam Carolina Luzzatto mit pro-italienischen bürgerlichen Intellektuellen in Kontakt und wurde für viele von ihnen zu einer wichtigen Bezugsperson (darunter auch für ihren Neffen Alberto Michelstaedter). Man traf sich im Casino dei Commercianti e Industriali, das sich in der Contrada Seminario 119 befand, im selben Gebäude, in dem sie mit ihrem Ehemann lebte.

1880 zog sie in die Via Arcivescovado, wo sie bis November 1915 lebte, als sie im Alter von 79 Jahren als stadtbekannte und entschiedene Anhängerin des italienischen Königreichs von den österreichischen Behörden verhaftet wurde. Carolina Luzzatto wurde in das Internierungslager für Intellektuelle und politische Gegner in Göllersdorf (Niederösterreich) gebracht. Nach etwa einem Jahr wurde sie aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustands in die Verbannung nach Oberhollabrunn geschickt, wo ihre Familie sie besuchen konnte. Nach dem Krieg kehrte Carolina Luzzatto vorerst nicht nach Görz zurück, das zerstört war (wie auch ihr Haus und viele ihrer Schriften), sondern zog zu ihrem Neffen Salvatore Sabbadini, einem Altertumsforscher und klassischen Philologen, nach Triest. Der erste Gouverneur von Triest, General Petitti di Roreto, wollte Carolina Luzzatto sofort nach seiner Ankunft am 3.November 1918 kennenlernen.

Zu Anfang des Jahres 1919 kehrte die Journalistin dann nach Görz zurück, wo sie am 24. Januar verstarb. Sie wurde auf dem Friedhof von Valdirose beigesetzt.

QUELLENANGABEN:

Maura Bozzini La Stella, Carolina Coen Luzzatto, Edizioni della Laguna, Monfalcone 1995

Barbara Vallati, Carolina Coen Luzzatto (1837-1919): il percorso di una giornalista tra irredentismo ed ebraismo, Tesi di laurea in “Storia dell’ebraismo”, Università degli Studi di Trieste, Facoltà di Lettere e Filosofia, corso di laurea in lettere moderne a.a. 2006-2007