Synagogue

Leran Mehr

Die Synagoge von Görz wurde 1756 auf dem Gelände des bereits seit 1699 bestehenden Gebetshauses eingeweiht. Als jüdisches Gotteshaus, das vor der Emanzipation errichtet wurde, war es von außen nicht erkennbar und befand sich (wie in der päpstlichen Bulle von 1555 festgelegt) im Ghetto. Der Zugang erfolgte von der Häuserseite aus über zwei Passagen. Die fünf, den Pentateuch symbolisierenden Fenster waren von außen sichtbar, damit auch Juden, die nicht aus Görz stammten, sie leicht erkennen konnten.

Die Gemeinde folgte dem aschkenasischen Ritus, der seine Wurzeln in deutschsprachigen Ländern hat. Das Gebäude ist schlicht, elegant und einfach gehalten, mit klassizistischem Dekor, und der Innenraum ist zweigeteilt ausgerichtet: der Aron (der Schrein, der die Tora, die Heilige Schrift, beherbergt, an der Ostseite im venezianischen Barockstil; die Bima (Pult) gegenüberliegend, aus Zedernholz.

Während des Ersten Weltkriegs wurde die Synagoge von Görz schwer beschädigt, doch das Mobiliar und die heiligen Schriftrollen waren zuvor nach Triest in Sicherheit gebracht worden. 1920 wurde die Synagoge restauriert und wiedereröffnet. Nach 1936 konnte sich die Gemeinde keinen Rabbiner mehr leisten und hatte nur noch Kantoren oder stellvertretende Rabbiner.

Nach dem Waffenstillstand von 1943 wurde auch Görz Teil der von den Nationalsozialisten verwalteten „Operationszone Küstenland“. Am 23. November 1943 wurden die ungefähr dreißig in der Stadt verbliebenen Juden gezwungen, auf einen Lastwagen zu steigen. Sie wurden zunächst von Görz aus ins Gefängnis nach Triest gebracht und von dort dann am 7. Dezember 1943 nach Auschwitz deportiert. Giacomo Jacoboni kehrte als Einziger von ihnen zurück. In den folgenden Monaten wurden weitere Görzer Juden aus anderen Teilen Norditaliens deportiert, doch auch von ihnen kehrte nur eine einzige Person, Iris Steinmann, zurück. Sie war in der Gegend von Modena gefangen genommen und aus Fossoli deportiert worden. Im Sommer 1944 gab es in Görz keine Juden mehr. Was blieb, waren ihr Besitz und ihre Güter, die nach und nach beschlagnahmt wurden. Die Synagoge wurde von den Nazis entweiht, sie stahlen das Silber und die heiligen Gegenstände, nachdem der Hausmeister ihnen ihr Versteck preisgegeben hatte.

Nach dem Krieg versuchten die jüdischen Soldaten der amerikanischen Infanterie, die in Görz stationiert waren, die Gemeinde wiederzubeleben und erreichten dank des Militärrabbiners Nathan A. Barack auch die Wiedereröffnung der Synagoge. Nach dem Abzug des amerikanischen Militärs im Jahr 1947 geriet die Gemeinde jedoch erneut in Schwierigkeiten und konnte sich nicht mehr erhalten. Auch der Friedhof von Rožna Dolina/Valdirose konnte nicht mehr genutzt werden, da er nunmehr jenseits der italienischen Grenze lag.

Am 13. Mai 1951 wurde in der Synagoge eine Gedenktafel für die deportierten Juden der Region enthüllt, die an der Mauer des Innenhofs angebracht wurde.

1972 wurde die inzwischen verlassene Synagoge verwüstet und die Torarollen entweiht. Nach Abschluss der von der Stadtgemeinde Görz veranlassten Restaurierung wurde sie 1984 wieder eingeweiht und für den Gottesdienst geöffnet. Außerdem wurde eine permanente Ausstellung über das jüdische Leben in Görz, das „Jerusalem am Isonzo“, eingerichtet.

Der kleine Garten im Innenhof der Synagoge ist nach Bruno Farber, dem jüngsten jüdischen Opfer der Deportation aus Görz, benannt. Er war im Alter von wenigen Monaten zusammen mit seinen Eltern in Ferrara verhaftet worden, wo diese Zuflucht gesucht hatten.

QUELLEN:

Orietta Altieri, La comunità ebraica di Gorizia: caratteristiche demografiche, economiche e sociali (1778-1900), Del Bianco, Udine 1985 

Giuseppe Bolaffio, Sfogliando l’archivio della Comunità di Gorizia, in „La Rassegna Mensile Di Israel“, Vol. 23, Nr. 12, 1957 

Chiara Lesizza Budin, Vita e cultura ebraica nella Gorizia del Settecento, Edizioni della Laguna, Mariano del Friuli 1995 

Adonella Cedarmas, La Comunità israelitica di Gorizia. 1900-1945, Istituto Friulano per la Storia del Movimento di Liberazione, Udine 1999 

Miriam Davide e Pietro Ioly Zorattini (Hrsg.), Gli ebrei nella storia del Friuli Venezia Giulia. Una vicenda di lunga durata, Giuntina, Florenz 2016 

Pier Cesare Ioly Zorattini (Hrsg.), Gli ebrei a Gorizia e a Trieste tra “ancien régime” ed emancipazione, Del Bianco, Udine 1984 

Marcello Morpurgo, Valdirose. Memorie della Comunità ebraica di Gorizia, Del Bianco, Udine 1986